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Vom Acker zum Kunstrasen

Die Veener Borussia feiert in diesem Jahr den 90. Geburtstag und weiht feierlich den schmucken Kunstrasenplatz ein. Auf einem Feld am Kröllenhof begann einst die Geschichte der "Krähen".

Veen 1920 begrüßt die Stadt Antwerpen die Sportler zu den siebten Olympischen Spielen und in den USA erhalten die Frauen das Wahlrecht. In diesem Jahr wird am unteren Niederrhein auch die Gründung der Veener Borussia beschlossen. "Die Mitglieder der "Krähen" dürfen 2010 also ihre 90. Vereinsbestehen feiern. Der Sportverein ist längst eine feste Größe in der Stadt Alpen und der Region. Passend zum Geburtstag wurde vor einigen Monaten das "Jahrhundertprojekt", wie's der Vorsitzende "Charly" Schweden gerne nennt, fertiggestellt. Die Borussia trägt ihre Spiele nun auf Kunstrasen aus.

Von einer solchen Anlage haben die Veener Kicker zu Gründerzeiten sicherlich nicht einmal zu träumen gewagt. Denn das Spiel-Material war schlichtweg noch nicht erfunden. Die Gründerväter der Borussia waren jedenfalls froh, als sie zum Winter 1920 auf einem Feld am Kröllenhof die ersten "Gehversuche" am runden Leder wagen konnten. Anfang 1922 wurde die Spielfläche dann zum Fingerhutshof verlegt, wo erste Partien gegen Mannschaften aus Xanten oder Sonsbeck ausgetragen wurden. Während dieser Zeit spielte der Club immer wieder unter ändernden Namen. Der Verein trug von Schülersport "Union" bis DJK Veen so einige Bezeichnungen, ehe 1929 erstmals der Titel "Borussia" auftaucht. So mussten die Kicker zu dieser Zeit auch an Leichtathletik-Wettkämpfen teilnehmen, wo sie sich aber trotzdem gut verkauften. Ohnehin gewann der Club am Niederrhein immer mehr an Bekanntheit und zeigte sich auf einem guten Weg. Dieser wurde aber 1934 durch das Verbot der Nationalsozialisten abrupt beendet. Erst 1946 konnten die Veener den Spielbetrieb wieder aufnehmen, taten dies allerdings mit immer wachsendem Erfolg. 1951 gelang der Aufstieg in die 1. Kreisklasse, wenig später folgte das erste richtige Training und 1968 gab's den ersten "richtigen" Coach bei der Borussia.

Im Jahre 1956 fanden die Spiele dann zum ersten Mal auf dem Gelände statt, auf dem sich auch heute noch die Anlage der Borussia erstreckt. Damals jedoch nicht auf einem optimalem Kunst-, sondern auf Naturrasen, der doch des öfteren einem Acker glich. 1982 folgte am Halfmannsweg der Bau des großen Gebäude-Traktes und des zweiten Spielfeldes. Die natürlich feierlich eingeweiht wurden.

Dieser zweite Platz bereitete Schweden mittlerweile einige Sorgen. Er sei in einem schlechten Zustand, soll jedoch in den nächsten Monaten auf Vordermann gebracht werden, damit zur großen Party alles passt. Und wie auch in der 90-jährigen Vergangenheit, ist bei der Borussia hier ordentlich etwas los. Mit verschiedenen Aktionen wird der Kunstrasen eingeweiht. Los geht's am 17. April mit einem Spiel gegen die Traditionself von Fortuna Düsseldorf. Dann folgt am 30. April der offizielle Teil mit Pastor Alfred Decking. Schließlich gibt's am 1. Mai noch den Tag des "Sportabzeichens für jedermann". All diese Feierlichkeiten stehen jedoch vor allem im Zeichen des Dankes an die zahlreichen fleißigen Helfer, die insgesamt über 6000 Arbeitsstunden für ein weiteres Kapitel Veener Geschichte geschuftet haben.

Doch an Ausruhen ist nicht zu denken. In nächster Zeit sollen noch die Tribüne, die Sprunggrube und ein neues Boggia-Feld fertig gestellt werden, ehe es am 23. Oktober schließlich ein Jubiläumsabend zum 90-Jährigen geben soll. Dort wird dann garantiert auch voller Stolz auf die lange Club-Geschichte zurückgeblickt.

 


Ehre für Spettmann

Der Sportverein hat bisher einen Ehrenvorsitzender – Willi Spettmann. Der stand zwischen 1963 und 1983 an der Spitze des Clubs. Dem 76-Jährigen wurde 1989 der Ehrenvorsitz verliehen.

Seit 1952 gab's fünf Vorsitzende: Karl Cleve (bis 1961) – dessen Bruder Norbert entwarf das heutige Wappen mit Krähe und Ball – Theo Büren (bis 1963), Willi Spettmann (bis 1983), Herbert Gooßens (bis 1989) sowie "Charly" Schweden (heute noch im Amt).

 


 

Bericht aus der NRZ vom 30. März 2006

Holland glaubt fest daran: Wir kommen wieder!  

BORUSSIA VEEN / Nach Nach 34 Jahren in der Kreisliga A flossen 2005 beim Abstieg Tränen. Bittere Tränen flossen im vergangenen Sommer in Veen. Kein Wunder. Denn die Borussia musste sich nach 34 Jahren aus der Fußball-A-Liga verabschieden. Statt endlich den ersehnten Sprung in die Bezirksliga zu schaffen, gings runter in die B-Liga. Da musste so mancher Veener doch schlucken.

1971 gelang der Aufstieg in die damalige zweigeteilte Kreisklasse A. Doch auch als die Gruppe 1978 eingleisig wurde, war die Borussia dabei, denn sie hatte sich in der Nordgruppe einen oberen Tabellenplatz gesichert. Fünfmal waren die Veener dann ganz nah dran an der Bezirksliga, und der heutige Fußball-Obmann Josef Holland denkt mehr als wehmütig daran zurück: "Das war schon bitter.Gleich fünfmal haben wir den Platz direkt hinter den Aufsteigern belegt. Einmal waren wir Dritter, da stiegen die ersten Zwei auf. Dann Vierter, prompt gingen sogar die ersten Drei hoch." 
Ganz traurig war es in zwei Spielzeiten Mitte der 80er Jahre. "In der einen Saison mussten wir nur das letzte Saisonspiel beim OSC Rheinhausen nur gewinnen. Doch was machen wir? Wir vergeigen mit 0:3 gegen eine Mannschaft, die nichts mehr gewinnen und verlieren konnte", musste Holland miterleben, wie der Rumelner TV vorbeizog.  

Zwei Jahre später war schon die Riesenfete am Platz geplant. Alles war in den Veener Vereinsfarben gelb-schwarz geschmückt. Doch wieder gab es statt Freude pur eine bittere Enttäuschung. Der TuS Borth II war der Spielverderber, wieder schauten sie am Halfmannsweg in die Röhre. 

Als Veen in der Saison 1986/87 Vierter wurde, fehlten zwei Punkte, um am VfL Rheinhausen vorbeizuziehen. Die Bergheimer, der VfB Homberg II und der FSV Kapellen stiegen auf. In der Spielzeit 87/88 scheiterten die Borussen dann wieder an zwei Zählern. Dieses Mal freute sich der MSV Moers III. Und 1995/96, zum Silberjubiläum, waren sie noch einmal nah dran. Erneut fehlten die berühmten zwei Punkte, sie wurden Dritter - und der SV Neukirchen und der VfB Homberg II konnten sich freuen. Einige Klasse-Fußballer haben sie in Veen herausgebracht, die später in höheren Klassen fur Furore sorgten. Etwa Keeper Manfred Heekeren. Der ging zum VfB Homberg und spielte dort mit Hans-Willi Loschelder, den es dann noch zum SC Kleve zog. Eines der letzten starken Talente war Andre Köhler. Zunächst war er maßgeblich am Aufstieg des SV Sonsbeck von der Landes- in die Verbandsliga beteiligt, nun ist er ein Eckpfeiler im Team des Oberligisten VfB Homberg. 

Mit mehr als 500 A-Liga-Spielen halten Klaus Terlinden und Johannes Gietmann wohl einen Rekord für die Ewigkeit. Und das nicht nur für das Veener "Guiness-Buch der Rekorde". Das dürfte es wohl kaum noch in dieser Liga gegeben haben. Mehr als 14 Jahre kickten die beiden ununterbrochen im Veener Dress. 

Zu weit weg von der Tabellenspitze

Als unabsteigbar galten sie, so wie einst der VfL Bochum in der Bundesliga. Doch nachdem auch in den 90er Jahren der Aufstieg knapp verpasst wurde, ging es in der Tabelle schließlich im neuen Jahrhundert immer weiter nach unten, ehe 2005 der Abstieg perfekt war. Und die Rückkehr wird schwerer als erwartet. Denn auch in derkommenden Saison wird es keinen A-Liga-Fußball in Veen geben. Dazu ist das Team schon zu weit von der Tabellenspitze in der B-Liga weg. "Aber wir kommen garantiert wieder", verspricht Josef Holland.

 

 

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